06 April 2006

Xala


New Ballet for Xala ist eine DVD mit Ania Losinger tanzend auf einem Bodenxylophon von Hamper von Niederhäusern, in Begleitung mit dem Tonus String Quartet. Ihr Konsum ist in Zeiten knapp vor der geistigen Erschöpfung eine Labsal. Nichts wäre bemerkenswert und also wachrüttelnd neben der erotischen Attraktivität der Tänzerin, die allein eine Stunde lang zu sehen ist, wie sie behend und virtuos mit Stöckelschuhen und zwei Langstöcken in den Händen die Hölzer des floss- und botstegartigen Quadrats traktiert. Der Anfang trügt, da man meint, es mit einer Hexerin zu tun zu bekommen, doch mehr und mehr erscheint sie als sexy Tempeltänzerin, die den Voyerismus im Publikum nicht verschmäht. Die komponierte Musik von Don Li Dumm - ah! wie gut das tönt und wie gut das harmoniert mit dem irrationalen Berner Künstler-Dünkel - ist dem Geschehen gänzlich angemessen: Stehen am Ort. Ihre Grösse fatamorganisiert sie im Ausmass ihrer Unterkomplexität, die jedes Werk der Minimal Music als fetzig erscheinen lässt. Sie richtet sich nicht nach der Tänzerin, deren Aktivität viel vergangene Anstrengung verrät und viel ernsthafte Bewunderung auslöst, sondern nach den Hölzern, die sie betanzt: sie ist hölzern. Keine Ahnung, wie man sich für ein solch regressives Abgleiten in die Kindermagie erwärmen kann. Die Zeiten haben sich geändert Bubis! Auch in der Kunst sollte man nicht zu weit hinter Einsichten zurückweichen, die ausserhalb zäh ihren Platz zu finden beginnen. Dazu gehört, dass die Abgründe des Irrationalen früher oder später zu Gewalt führen, nicht zu Bewunderung und Anerkennung.