08 April 2006

Sound Check


Gestern Abend während des Soundchecks von Remember Shakti, The Way of Beauty, plötzlich aufgefallen, was der Fehler einstens war: fahrlässiges Unterlassen eines Soundchecks, mit Materialien nota bene, die alle nur geliehen waren. Das KSR-Stadium Reussbühl war zu Beginn des Wiesenkraut-Konzerts übervoll, möglicherweise ich nicht viel weniger, eine dumpfe dunkle Masse, brodelnd plappernd, aber schon bald nicht mehr wahrzunehmen, weil eben bald schon ein Flötensolo zu spielen war. Es gab nur Solos zu spielen, gegen die Übermacht der Konservativen in der Band, und andere gab es keine. Einer tippte aufs Schlagzeug so keck wie Zappa vor den Mothers, tipp tipp tippperlitipp, ohne Bezug zur Musik wie in seiner Bundeshauskarriere dann ohne Bezug zu den einstigen Musikern, einem mussten Kinderliedernoten vorgelegt werden, wenn so etwas wie ein Entengewatschel in der Bassline Bestand haben sollte, das Saxophon dudelte für sich als gings um einen Barabend mit Roxy Music, und Mayr war so tolerant, dass man befürchten musste, plötzlich in einem Duett auf der Eisfläche echter Musik zu landen. Ein Solo damals musste eines sein zur Hauptsache: lang. Also spielte ich drauflos so blind und laut wie möglich. Inhaltlich galt nur eine Regel (für mich, klar, allein, nicht für die Tanzmusiker): kein Mass in der Komplexität, so dass es nur gut sein konnte, wenn man nicht zu sagen wusste, was denn gespielt worden war. Schlecht Erzogene nennen das wirres Zeug, mir wars das Höchste. Nur wenig Ahnung, wie lange es dauerte, aber einmal wurde ich dann erschöpft, musste Luft holen und, verflucht, öffnete die Augen: die Riesenhalle dunkel war menschenleer... Eben, sie hatten nichts gehört, weil das PA von Pneu nicht mitspielte. Ein zweistündiger durchorganisierter Soundcheck am Nachmittag davor - wir hätten im Applaus gebadet. Noch Jahre danach suchte ich die Leute in den Alpträumen: nein, niemand hat etwas Gutes gehört. Der spätere Direktor der Schweinesound Studios hat zwar beruhigende Worte gemurmelt, an einen Live-Mitschnitt hat aber auch er nicht denken wollen.

Nei müsste in diesen Minuten in Kermanshah gelandet sein. Ob sie die Razi University kurz besuchen geht? So wie unten tät es dann ausschauen, etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht im voraus schon. Dass man die Lehrer-Lehren privatim wiederholen müsste wie die aus dem Kirchenfeld über Jahre hinweg (auch die High-School hier ist noch nicht ganz in der Moderne angekommen, wenigstens dem Namen nach), - ah! dieses Elend mit der Physik, für mich! - scheint nicht der Fall zu sein, schauen die Schülerinnen doch ganz interessiert in die Welt, und das Rotkäppchen erinnert nicht wenig an sie.

(c) razi uni (nicht raz uli)

1 Comments:

At 4:23 PM, Blogger lala said...

Wie eine weltweite Untersuchung dank Google soeben hat klarstellen können, bin ich der erste mit einer Rezension dieser DVD, in der nur der Soundcheck einer Erwähnung würdig ist. Früher war ich der Letzte, der eine musikalische Neuerscheinung zu hören bekam, heute trotz der Trägheit des Bibliothekwesens einer der ersten... Johnji McLaughlin hat es nicht hibschji begriffen, wie das mit der transkontinentalen Kulturvermittlung vor sich gehen soll, ist bei ihm doch die europäische immer schon, der Jazz, und die indische seit Shakti mit den geisttötenden Makeln der Kulturindustrie behaftet. Die einzelnen Momente im Spiel sind nach wie vor wie im Mahavishnu Orchestra oder noch früher in Bitches Brew fesselnd, doch die Stücke im ganzen wirken wie launisch in einer Ästhetik hingewürfelte, die nur zu gut mit der regressiven Selbststilisierung in den langen Interviews korrespondiert. Schwer verständlich, dass einer, der im Spiel so immens beeindruckt, es nötig findet, in dürftigen Worten dem Zauber durch falschen zusätzlichen Schein den Glanz zu nehmen.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home