09 April 2006

Helmut Lachenmann, Furcht und Verlangen

Die DVD Helmut Lachenmann, Furcht und Verlangen enthält die vier Kompositionen Zwei Gefühle, Consolation I, Consolation II und Mouvement jeweils entweder mit Kommentar vom Komponisten und vom Dirigenten Walter Nussbaum oder in den gut gefilmten Liveaufnahmen. Der Gewinn der Videos liegt im leichteren Erkennen des formalen Aufbaus dieser Stücke, nicht nur weil die Klangmomente auf der Oberfläche leichter zu identifizieren und als solche musikalisch wahrzunehmen sind, also im Gedächtnis haften bleiben statt zu verschwimmen, sondern auch, weil durch die beobachtbare Gegenwart des Dirigenten die metrische Struktur eindeutig dasteht. Es hilft nicht wenig, wenn man sieht, dass in einem Moment, wo eher wenig zu hören ist, dem Sinn nach viel Tempo zugrunde liegt, das erst mit der Zeit auch auf der Oberfläche in Erscheinung tritt. Man sieht auf diese Weise mit Leichtigkeit, dass der Begriff des Geräusches dieser Musik in keiner Weise entsprechen kann. Ist erst einmal das Ungewisse in der grossen Form beiseite geräumt, können auch solche Ohren dieser Musik spielend folgen, die sonst meinen, nur längstens in der Geschichte Sedimentiertes konsumieren zu können.
Leider hat man die Herstellung der DVD einem Lehrling überlassen und sie ohne Kontrolle ins Presswerk gegeben. Bei jedem Start im Laufwerk wird der Browser mit einer Werbeseite gestartet - ein Vorgang, den man als solchen erst einmal durchschauen muss. Denn weiter geht es von hier nicht mehr: Sackgasse, und alles bleibt stumm. Der Dumme muss den Browser nun selbst beenden. Daraufhin muss er auf dem Computer dasjenige Programm ausfindig machen, das bis jetzt bei allen anderen DVDs gestartet wurde und den Inhalt präsentierte. Selbstredend kennt er den Namen nicht, aber er nimmt sich Zeit, testet alles gründlich, und findet ihn. Bei der Lachenmann-DVD geschieht dies nicht nur beim ersten, sondern jedes Mal. Selbstverständlich wird auf diese Weise die DVD vom Abspielprogramm nicht als eine erkannt, die schon einmal zum Teil gespielt worden war. Folglich lässt sie sich nicht partienweise anschauen, wie es sonst üblich ist - jedesmal muss der ganze teuflische Werbekabis gefressen werden. Aber nicht nur das. Was immer man als Dummkopf abspielen will, ein Interview oder ein Stück: jedesmal werden einem die Ohren kurz zuvor mit einem ausgedehnten Faschingstusch zugedonnert. Madonna! Wergo hat bei Lachenmann nichts gelernt.