10 April 2006

America is wonderful: wonderful, wonderful, wonderful



Wenn alle Rationalität aus der Kunst ausgetrieben scheint, bleibt immer noch das eine Moment, das von ihrer gesellschaftlichen Herkunft zeugt. Sie mag sich in ihrer Radikalität allem möglichen verweigern - über ihre Herkunft plaudert sie zügellos. Um durchhalten zu können, ignoriert man mit vollen Kräften, was in John Adams Oper el niño unter Kent Nagano und in der Inszenierung von Peter Sellars geschieht, wie sie in der grossen Form aufgebaut ist und wie die Musik im Zusammenhang mit dem Text funktioniert. Der böse Kitsch einer unvermittelten, blanken und katechetischen Bibelgeschichte heute und der Infantilismus auf allen Ebenen des Werks erschrecken in ihrer Obszönität. Bin ich 5 und in der Sonntagsschule oder wünschen da in der Tat anerkannte KünstlerInnen, dass ich mich mit einem ihrer Gebilde auseinandersetze? Eine Kritik der Irrationalität dieses Werks würde die Sache verfehlen, weil rationale Spuren, die eine Rettung erlaubten, nicht auszumachen sind. Und doch ist das kein Produkt eines vereinzelten Irren, der sich zu weit vorgewagt hätte, der seine Sache blind und ohne äusseren Schutz durchgezogen hätte; zu viele renommierte KünstlerInnen sind beteiligt. Also quält einen nur der eine Gedanke als Abwehr des Ganzen: wie erbärmlich und ohne allen Trost muss es um eine Gesellschaft stehen, deren Kunstgebilde so ungeschützt dem Infantilismus huldigen und doch nur Opfer sind einer lange schon währenden Regression?